Zwangsräumung in Honduras – Urgent Action von Amnesty

UA-215/2011 – Honduras: Zwangsräumung in Colon

114 Familien im Norden des Landes sind rechtswidrig von der
Polizei vertrieben worden. Etwa 80 Vertriebene wohnen gerade in einem
Gemeindezentrum. Die sanitären Bedingungen gefährden ihre Gesundheit.

http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-215-2011/zwangsraeumung-honduras

Urgent Action
Honduras
UA-215/2011
Index: AMR 37/006/2011
13. Juli 2011

114 Familien einer Gemeinschaft im Norden Honduras‘, darunter kleine Kinder,
wurden Opfer einer rechtswidrigen Zwangsräumung durch die Polizei. Etwa
80 Personen leben jetzt in einem nahe gelegenen Gemeindezentrum unter
sanitären Bedingungen, die eine Gefahr für ihre Gesundheit darstellen.

Am 24. Juni vertrieb die Polizei eine Gemeinschaft in der Stadt Rigores im
Departamento Colón, nachdem ein örtlicher Richter einen Räumungsbefehl
ausgestellt hatte. Die Menschen lebten bereits mehrere Jahre auf dem
Land, doch ein ortsansässiger Grundbesitzer, der Anspruch auf das Land
erhebt, hatte die Räumung der Gemeinschaft gefordert. Berichten von
AnwohnerInnen zufolge traf die Polizei mit Traktoren ein und zerstörte
Häuser von Angehörigen der Gemeinschaft sowie sieben Klassenzimmer der
Schule und des Kindergartens und zwei Kirchen. Etwa 493 Personen wurden
dadurch obdachlos.

Der Räumungsbefehl wurde am 23. Mai ausgestellt, jedoch ohne die
Gemeinschaft darüber zu informieren. Die Polizei traf am 24. Juni um 10
Uhr in Rigores ein und teilte den Angehörigen der Gemeinschaft mit, dass
sie zwei Stunden hätten, um ihre Sachen zu packen und den Ort zu
verlassen. Etwa gegen 14 Uhr begann die Polizei, Gemeinschaftsgebäude,
Häuser von AnwohnerInnen und ihre Habe zu zerstören. Keinem von ihnen
wurde alternativer Wohnraum, eine Umsiedlung oder Zugang zu Nutzland oder
auch eine Entschädigung angeboten, weder im Vorhinein noch nach der
Räumung. Auch wurde niemandem sicherer Zugang zu den Feldern
gewährleistet, um sich um die
Ernte kümmern zu können, von der ein großer Teil bereits bei der
Zwangsräumung vernichtet wurde.

Etwa 80 Personen, hauptsächlich Frauen und Kinder, haben im etwa drei
Kilometer entfernten Gemeindezentrum von Rigores Unterschlupf gefunden. Das
Zentrum ist jedoch nicht als Wohnraum gedacht. Das überfüllte und nicht
regendichte Gebäude ist stets zur Hälfte nass. Es verfügt nur über
wenige Toiletten und Waschmöglichkeiten. Die Gemeinschaftsmitglieder,
insbesondere kleine Kinder, könnten sich Krankheiten zuziehen. Die
Gemeinschaft benötigt
das Land in Rigores, von dem sie vertrieben wurde, um überleben zu
können. Honduras ist Vertragsstaat des Internationalen Pakts über
wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (IPWSKR) und somit
verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass Zwangsräumungen nicht dazu
führen, dass Personen obdachlos werden oder Gefahr laufen, andere
Menschenrechtsverletzungen zu erleiden.

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN
FORDERUNGEN

Bitte unternehmen Sie alles Notwendige, um die physische und
psychische Integrität der Familien zu gewährleisten, deren Häuser und
Ernte bei der Vertreibung von ihrem Land in Rigores am 24. Juni zerstört
wurden.

Ich möchte an Sie appellieren, das Recht dieser Menschen auf
angemessenen Wohnraum zu schützen und ihnen geeignete und sichere
Unterkünfte sowie Nahrung, Wasser, Zugang zu medizinischer Versorgung und
Bildung zur Verfügung zu stellen, bis der Landstreit beigelegt ist.

Darüber hinaus möchte ich Sie auffordern, jede weitere
Zwangsräumung ohne angemessenes Verfahren, ordnungsgemäße
Benachrichtigung und Konsultation und ohne die Bereitstellung einer
angemessenen Entschädigung zu unterlassen.

Führen Sie bitte eine Untersuchung der Vorgehensweise aller Personen
durch, die an der Zwangsräumung vom 24. Juni beteiligt waren,
veröffentlichen Sie die Ergebnisse der Untersuchung und stellen Sie die
Verantwortlichen vor Gericht.

APPELLE AN

LEITER DES NATIONALEN AGRARINSTITUTS
Lic. Cesar David Adolfo Ham Peña
Ministro Director del Instituto Nacional Agrário
Colonia La Alameda
4ta Avenida entre 10ma. y 11va calles, No. 1009
Tegugicalpa, M.D.C.
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Minister Director/Estimado Ministro Director)
Fax: (00504) 2239 7398

KOPIEN AN
MINISTERIN FÜR JUSTIZ UND MENSCHENRECHTE
Ana Pineda
Ministra de Justicia y Derechos Humanos
Casa Presidencial
Boulevard Juan Pablo Segundo
Palacio José Cecilio del Valle
Tegucigalpa, M.D.C.
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Minister/Estimada Sra. Ministra/Sehr geehrte
Ministerin) Fax: (00504) 2290 5129

GENERALSTAATSANWALT
Sr. Luis Alberto Rubí
Fiscal General de la República
Lomas del Guijarro, Avenida República Dominicana, Edificio
Lomas Plaza II
Tegucigalpa; M.D.C.
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Attorney General)
Fax: (00504) 2221 5667

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S.E. Herrn Efrain Anibal Diaz Arrivillaga
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: (030) 3974 9712
E-Mail: embajador.embahonduras.de@googlemail.com oder
informacion@embahonduras.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem
Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions
schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24.
August 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Honduras ist Vertragsstaat des Internationalen Pakts über wirtschaftliche,
soziale und kulturelle Rechte und als solcher verpflichtet, alle
geeigneten Mittel und ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen
einzusetzen, um Menschen, die dafür nicht selbst Sorge tragen können, je
nach Lage des Falles Zugang zu angemessenem alternativem Wohnraum,
Umsiedlungsmaßnahmen oder Nutzland zu gewährleisten.

Im Rahmen des IPWKSR ist Honduras verpflichtet, das Recht „eines jeden auf
einen angemessenen Lebensstandard für sich und seine Familie,
einschließlich ausreichender Ernährung“ zu wahren.

Darüber hinaus hat der Staat Honduras auch die Pflicht, von einer
Zwangsräumung betroffene Personen zu konsultieren und alle Betroffenen vor
dem geplanten Räumungsdatum in angemessener Weise zu informieren.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

Urging the authorities to do everything necessary to guarantee the physical
and psychological integrity of the families whose homes and crops were
destroyed and who were evicted from their land in Rigores on 24 June.

Urging them to uphold these people’s right to adequate housing, and
provide them with suitable and safe accommodation until the land dispute
is resolved, as well as food, water, access to medical attention and
education.

Demanding that no further evictions take place without due process,
adequate notice and consultation, and without the provision of adequate
compensation.
Urging the authorities to investigate fully the
actions of those who carried out and ordered the forced eviction on 24
June, publish the results and bring those responsible to justice.